Wer Mönchengladbach in Richtung Westen verlässt, folgt der Fietsallee durch Wiesen, Felder und Wald und erreicht bald den Stadtrand von Viersen.
Hier schlängelt sich der Weg durch ruhige Straßen und nach Unterquerung der Bahnlinie erreicht man das Entwicklungsgebiet Bahnhof/Stadtwald. Auf dem ehemaligen Gelände britischer Streitkräfte ist ein neues Wohngebiet entstanden, welches durch seine Lage an der geplanten Trasse einen starken Nordkanalbezug hat. So verweisen nicht nur die Straßennamen auf das historische Projekt. Besonders eindrucksvoll ist der vorgesehene Verlauf des Kanals in einem 500 Meter langen Wasserband ablesbar.
An einem Kreisverkehr stößt die Fietsallee auf ein seltenes Relikt aus der Bauzeit des Nordkanals: Das alte Brückenwärterhaus ist eines von insgesamt drei erhaltenen Gebäuden am Kanal. Das blaue Band verlässt bald die ruhigen Wohngebiete. Während im Hintergrund die Süchtelner Höhen zu sehen sind, führt die Strecke völlig eben durch Felder nach Süchteln, wo sich ein kurzer Abstecher in den stimmungsvollen Ortskern lohnt.
Hinter Süchteln geht es entlang der Landstraße weiter durch die typische weite niederrheinische Landschaft, aus der Windräder, Kirchtürme und die rot gedeckten Dächer der Bauernhöfe aufragen, bis in den Ortsbereich von Grefrath. Wer nach einem Rundgang durch das Freilichtmuseum Dorenburg den Rückweg in Richtung Viersen und Mönchengladbach antreten möchte, kann in Grefrath in den Niersradwanderweg einsteigen und durch die idyllische Niersaue gemütlich zurückradeln.
In Richtung Nettetal führt die Fietsallee über schmale Straßen, vorbei an kleinen Wäldchen, bunten, duftenden Bauerngärten und schönen Höfen, die auch frisches Obst und Gemüse verkaufen. Am Rand des Weges kann man hin und wieder auch das Bett des Nordkanals entdecken, auf das die orange-weißen Markierungsstangen hinweisen.
Wenn der Radweg aus der offenen Landschaft in ein urwüchsiges Waldgebiet abtaucht, beginnt der "Amazonas-Abschnitt" der Fietsallee. Die feuchte Niederung des Kanalbettes begleitet die Strecke hier in eindrucksvoller Weise. Das Kanalbett ist versumpft, teilweise mit Bäumen bestanden und liegt verwunschen inmitten grünen Dickichts.
Das Kanalprofil ist nicht durchgehend erkennbar, denn zum einen wurde die Überquerung von Nette und Renne von den französischen Kanalerbauern zunächst zurückgestellt. Zum anderen lag die Kanalsohle höher als der Wasserspiegel der beiden Flüsschen, wodurch umfangreiche Erdaufschüttungen notwendig geworden wären.
Die erste Abstiegsschleuse zur Maas erhielt den Namen von Napoleons
zweiter Ehefrau Marie-Louise. Wie man heute weiß, liegt das
Areal dicht neben einer Hauptverwerfung des Niederrheingrabens und das
Gelände hebt sich daher jährlich um 1,5 mm. Hätte man
den Kanal damals fertig gestellt, so läge die Schleuse, ausgehend
von der damals eingemessenen Höhe, heute etwa 29 cm höher
als das Kanalende in Neuss, was Probleme mit der Scheitelhaltung
erzeugt hätte.
In Richtung Niederlande verläuft die
Fietsallee wieder durch offene Landschaft, die hier stark durch den
Gartenbau geprägt ist.
Am ehemaligen Schleusenwärterhaus am Schlousweg in Herongen
erinnert heute nichts mehr an seine vorgesehene Funktion am
Kanal. Heute ist die Schleusenanlage wassergefüllt und dient
den jetzigen Bewohnern als Fischteich. Am Ende des
Schlousweges liegt ein blumengefülltes Kanalprofil. Gelb
blühende Pflanzen überziehen die Böschung, während
blau blühende Blumen das Wasser des Nordkanals im Kanalbett
symbolisieren.